Damals für ein Drum ‘n Base Event und jetzt eine ausverkaufte eigene Show. Wir durften Verifiziert beim Tourfinale zu ihrem neuen Album “bulletholes” zurück in der Heimatstadt Wien besuchen. Beendet wurde die “Veri Tour” an dem Ort, dem Verifiziert damals ihren ersten Clubbesuch abstattete, nämlich im Flex.
Nach ihrem Debütalbum “adhs” erscheint im November 2024 Veris zweites Studioalbum “bulletholes”, was bereits beim Streamen sehr harmonisch und heimelig wirkt. Live fühlt es sich umso mehr wie eine große Umarmung an. In ihren Texten erzählt Verifiziert relativ ungefiltert sehr persönliche Geschichten über Heartbreaks, Kindheitserinnerungen und ihre Essstörung. Während sie auf ihrem Debütalbum ihre Gedankenwelt mehr noch in Metaphern hüllt, fühlt sich “bulletholes” eher wie ein Einblick in Veris Tagebuch an.
Das Album schafft eine ganz eigene Atmosphäre und hat dabei etwas sehr Versöhnliches. Es wirkt, als hätte Verifiziert ihren Weg gefunden, mit ihren inneren Konflikten umzugehen oder sei zumindest auf dem Weg dorthin. Zeilen wie “War schon lang nicht mehr so so bei mir” auf “alles okay” oder “Hab gelernt, damit zu fliegen” auf dem Titeltrack “bulletholes” strahlen einfach sehr viel Zuversicht aus und haben dadurch etwas sehr Ermutigendes.

So zum Beispiel auch auf meinem persönlichen Lieblingslied und gleichzeitig dem letzten Lied vom Album “ich hoffe niemand weckt mich auf”. Den Text schrieb sie an dem Tag, an dem sie “gespürt hat, dass die Beziehung bald zu Ende gehen wird”. Der Song liegt bereits länger auf dem Tisch, genauer gesagt war er sogar schon vor der ersten Tour zum Debütalbum “adhs” fertig. Damals hat Verifiziert es jedoch noch nicht überwunden, den Song zu veröffentlichen. Jetzt begleitet sie sich auf der Bühne sogar selbst auf dem Klavier, vor dem nicht nur sinnbildlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes ihre Flügel voller “bulletholes” thronen.
Dreamteam Veri und Mo
Wenn sie sich nicht gerade selbst begleitet, steht Veri ihre “Band Mo” mit der E-Gitarre zur Stelle. Auch sonst spielt der Producer eine maßgebende Rolle im Entstehungsprozess des Albums. Nicht nur haben die beiden zusammen das Konzept für die Tour ausgetüftelt, auch war Mo.Nomad teilweise beim Songwriting involviert. Vor allem aber verbindet die beiden eine Freundschaft, die auch beim Konzert sehr schön zu spüren war.
Letztlich war es auch die vertraute Dynamik mit Mo, die Verifiziert ermutigte, im Song “fliegen” erstmals über ihre Essstörung zu schreiben. Ob sie den Song dann wirklich veröffentlichen würde, war nochmal eine Frage für sich. Immerhin macht mensch sich immer auch ein Stück weit verletzlich, mit solch sensiblen Themen in die Öffentlichkeit zu gehen. Dann erinnerte sie sich jedoch daran, dass es ihr selbst damals sehr geholfen hat zu wissen, “dass auch andere Menschen, vor allem Frauen*, betroffen sind und mensch nicht alleine ist mit body issues”. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr froh über den Release und denke, dass es da vielen fellow FLINTA+ sehr ähnlich geht.

Endlich wieder “Zuhause”
Dieses Gefühl von Verbundenheit zwischen Künstlerin und Publikum zieht sich durch den ganzen Abend. Spätestens bei der Performance vom Song “Zuhause” zusammen mit Kion, hat dann wohl die ganze Halle Pipi in den Augen. Die Entstehungs- und gleichzeitig auch Kennenlerngeschichte der beiden teilt Verifiziert danach auch mit dem Publikum. Kion hatte damals ein Snippet vom Song in seiner Story gepostet und “wusste zu dem Zeitpunkt nicht wirklich, was anfangen damit”. Obwohl die beiden sich damals noch nicht wirklich kannten, antwortete Veri auf die Story und äußerte, dass es “ihr eine Ehre wäre, auf den Song zu kommen” und seitdem (Zitat) sind die beiden Besties.
Zwischen den Songs gewährt Verifiziert immer wieder kleine Einblicke in das Tourleben, das sich zeitweise “wie eine Klassenfahrt” anfühlte. Ihr Team taufte sie liebevoll auf den Namen “Mama Veri”. Ein ähnliches Gefühl von Zusammenkunft breitet sich auch beim Konzert aus. Schon im Vorhinein kündigt Verifiziert Star-Guests für ihre Show an. Wien-Ikone Mavi Phoenix sowie die aufstrebenden Artists Ben Clean und Magda glänzen zwischen Veris Setlist mit eigenen Songs und können sich wohl das ein oder andere Spotify-Abo dazugewinnen. Eli Preiss eröffnet die Zugabe mit “(von hier bis) Tokio” und heizt die Halle ordentlich ein, bevor die zwei abschließenden Songs “Suzuki Swift Sport Remix” und “Perfekte Welle” das Publikum noch einmal richtig zum Toben bringen.
So endet schließlich ein wundervoller Tourabschluss in Wien und auch wenn ich jetzt am liebsten noch mehr Eindrücke von der Show teilen und über weitere Liedzeilen philosophieren würde, würde dies wohl den Rahmen sprengen. In diesem Sinne: Streamt “bulletholes”, wischt die Lyrics nach oben und lasst euch die nächste Liveshow von Verifiziert nicht entgehen!
(Text: Anna Filtzinger)